Zukunftsfähigkeit sichern mit regenerativen Geschäftsmodellen
Regenerative Geschäftsmodelle als Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit: Erkenntnisse aus einer Masterthesis und dem Panel der Republik zum Pariser Klimaabkommen.
Vor genau zehn Jahren wurde in Paris ein historischer Entscheid gefällt. Die Weltgemeinschaft verpflichtete sich, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen und alles daran zu setzen, die 1,5 °C zu erreichen. Heute, ein Jahrzehnt später, müssen wir feststellen: Die Umsetzung stockt. Die Ziele werden wir mit grosser Wahrscheinlichkeit verfehlen. Die Emissionen sinken nicht schnell genug, und selbst ambitionierte nationale Programme reichen nicht aus.
An einem Panel der Republik im November 2025 zum «Jubiläum» des Pariser Klimaabkommens von 2015 wurde klar benannt, woran das liegt:
Es ist kein Technologieproblem, kein Geldproblem und kein Governance-Problem. Wir scheitern an der Kollaboration.
In der Diskussion wurde aufgezeigt: Die Lösungen sind da. Doch global wie lokal gelingt es zu wenig, Kräfte zu bündeln. Gleichzeitig geraten Unternehmen unter Druck. Diejenigen, die nachhaltig handeln (möchten), kommunizieren darüber immer weniger. Green Hushing – der stille Rückzug aus der Nachhaltigkeitskommunikation – nimmt zu, weil Firmen Angst vor Shitstorms oder Vorwürfen des Greenwashings haben. Und das Narrativ der Nachhaltigkeit klingt noch immer schwer: „Wir müssen, wir sollten.“
Dabei zeigt eine Masterthesis von Kristin Kreibich zu regenerativen Geschäftsmodellen (durchgeführt mit pragmatic solutions als Praxispartner) aus diesem Jahr, dass genau in diesem Wandel ein enormes Potenzial liegt.
Sie zeigt, basierend auf einer repräsentativen Umfrage in Schweizer Unternehmen, dass die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft nicht allein mit Technologie und Innovation entsteht, sondern mit Purpose, organisationaler Entwicklung und regenerativen Geschäftsmodellen.
Was regenerative Geschäftsmodelle auszeichnet und wo Schweizer Unternehmen stehen
Die Forschung zu regenerativen Geschäftsmodellen ist jung, aber klar in ihrer Aussage: Unternehmen, die regenerativ wirtschaften, schaffen langfristige Wertschöpfung für Mensch, Natur und Klima zugleich und stärken damit ihre eigene Resilienz, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit.
Die Masterthesis zeigt:
- Regeneration ist in der Schweiz als Begriff noch wenig bekannt.
- Zentrale Charakteristiken wie Purpose, Mitarbeitendenorientierung oder Netzwerkdenken sind jedoch bereits erkennbar – teilweise unbewusst, aber vorhanden.
- Unternehmen, die solche Elemente integriert haben, sehen darin klare Chancen für Innovation, Agilität und Resilienz (z. B. durch stabilere Lieferketten, motivierte Mitarbeitende, neue Geschäftslogiken).
- Hemmend wirken weniger fehlender Wille, sondern fehlende Expertise und fehlende Beispiele aus der eigenen Branche.
Kristin beschreibt in ihrer Analyse, dass regenerative Ansätze dort funktionieren, wo Strategie, Kultur und Geschäftsmodell weiterentwickelt werden.
Mit anderen Worten: Regeneration ist kein Reporting-Thema. Es ist ein Organisationsentwicklungs-Thema.
Ein wichtiger Befund der Thesis: Purpose ist nicht mehr soft oder nice-to-have, sondern ein zentraler Bestandteil eines zukunftsorientierten Geschäftsmodells. Unternehmen, die ihr „Warum“ klar definieren, handeln kohärenter, innovativer und resilienter.
Der nötige Mindsetwechsel
Wir sind lange davon ausgegangen, Nachhaltigkeit sei eine Zusatzaufgabe. Etwas, das „auch noch erledigt werden muss“. Die Masterthesis legt nahe, dass dieser Blickwinkel zu kurz greift. Regenerative Ansätze zeigen, dass Unternehmen Innovation, Resilienz und langfristigen Erfolg steigern können, wenn Nachhaltigkeit zum strategischen Treiber wird, nicht zum Anhängsel.
Studien, die in der Thesis zitiert werden, belegen dies: Unternehmen, die mit regenerativen Strategien arbeiten, entwickeln robustere Lieferketten, sind krisenfester und oft sogar profitabler über die lange Sicht hinweg. Sie wachsen nicht trotz Regeneration, sondern wegen ihr.
Für Schweizer Unternehmen entsteht jetzt ein Fenster der Möglichkeiten
Die Schweiz lebt von hochspezialisierten, technologisch starken Unternehmen. Genau diese Firmen können die dringend nötige Führungsrolle übernehmen, um den Wandel pragmatisch umzusetzen, mit Fokus auf Wertschöpfung, Innovationskraft und Zukunftssicherheit.
Schweizer Unternehmen, die heute in Purpose, Resilienz und regenerative Ansätze investieren, sichern nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit. Sie gestalten aktiv die Zukunft des Wirtschaftsstandorts mit. Dieser Wandel ist nicht ausschliesslich ein technologisches Thema. Es braucht Führung, die Orientierung gibt. Teams, die lernen dürfen. Und Strukturen, die Netzwerke stärken.
Welche Schweizer Unternehmen nutzen diese Chance – und entwickeln ihre Organisation aktiv in Richtung Regeneration, Resilienz und langfristigen Erfolg?
Wie geht's weiter?
Wir bleiben auf jeden Fall am Thema dran und werden auch im neuen Jahr den Dialog mit interessierten Unternehmer:innen aufrechterhalten. Als nächster Schritt planen wir einen Learning Lunch dazu im 2026. Du kannst gespannt sein!
Die Studie von Kristin Kreibich wurde übrigens aufgrund der Bewertung mit Bestnote durch den Axel Springer Verlag publiziert und kann hier bezogen werden.
Dieser Artikel wurde im November 2025 auf Linkedin publiziert.
Unser Team
Michi Rechberger
Organisationsentwickler, Coach & Hüter der Kollegialen Führung